Veranstaltung

„Zivilgesellschaft unter Druck“

Zur aktuellen Situation Brasiliens und der Landlosenbewegung MST

Foto: Freundinnen und Freunde der MST, Deutschland / Sebastiao Salgado „Terra“

Mit:

Ceres Antunes Hadich und Matheus de Assunção von„ Movimento dos Sem Terra (MST)“ aus Brasilien

Wolfgang Hees (Vorstand Freundschaftsverein der Landlosenbewegung MST in Deutschland)

Der internationale Tag des kleinbäuerlichen Widerstandes am 17. April steht seit 22 Jahren im Zeichen der Rechte von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Obwohl sie 70 % der weltweiten Nahrungsmittel erzeugen, haben sie oft selbst nicht genug zu essen: Ungefähr die Hälfte der weltweit 800 Millionen Hungernden sind Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Ihre Lebensgrundlagen und Rechte werden zunehmend durch “Modernisierungspolitiken” zum Nachteil der ländlichen Bevölkerung, fortschreitende Landkonzentration und ausbeuterische Konzernstrategien bedroht und verletzt.

Eine Erklärung des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen, die aktuell in der entscheidenden Verhand­lungsphase ist, soll nun ihre Rechte stärken; ein wichtiger Schritt gegen die fortschreitende Diskriminierung und Kriminalisierung von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern im Zuge von Privatisierung und Ausverkauf von natürlichen Ressourcen und Gemeingütern, dem Verlust von Agrobiodiversität und traditionellem Wissen.

Während auf internationaler Ebene um die Anerkennung von Rechten von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern diskutiert wird, sind in Brasilien die Entwicklungen gegenläufig: Mit der politischen Neuausrichtung des Landes seit dem sogenannten parlamentarischen Putsch 2016, der zur Absetzung der Präsidentin Dilma Rousseff führte, werden Programme zur Kleinbauernförderung und Agrarreform gekürzt oder ganz eingestampft. Im Nationalkongress, besonders in der Abgeordnetenkammer aber auch im Senat, ist die bancada ruralista – die Interessenvertretung des Agrobusiness – extrem stark und übt erheblichen Einfluss auf die Regierung aus. Nach Angaben von Expert*innen drohe das Land in Anbetracht der aktuellen Entwicklungen wieder auf die Welthungerkarte des World Food Programms zurückzukehren.

Dabei sind Alternativen – wie sie auch die Landlosenbewegung MST mit einem verstärkten Fokus auf agrarökologische Landwirtschaft, Stärkung der Zivilgesellschaft und der Bevölkerung auf dem Land betreibt – wichtige Schritte, um Ernährungssouveränität in Brasilien zu erreichen. Der MST ist es in ihrer Geschichte gelungen, für über 500.000 Familien durch Landbesetzungen an Land zu kommen. Dieses wurde dann im Zuge der Agrarreform legalisiert. Die aktuelle Regierung unter dem Putschpräsidenten Temer kriminalisiert die Aktivist*innen der MST und behindert die aktuell für 100.000 Familien noch ausstehende Legalisierung von besetztem Land.

In der Veranstaltung diskutieren wir mit Ceres Antunes Hadich und Matheus de Assunção von der Landlosenbewegung MST über diese Situation und über die Frage, wie die Erklärung der Vereinten Nationen für die Rechte von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern die Kämpfe der ländlichen Bevölkerung in Brasilien unterstützen kann. Sie werden einen Blick auf die aktuelle Politik und deren Folgen werfen, sowie erläutern, wie die brasilianische Zivilgesellschaft versucht, sich dagegen zu wehren.

Veranstalter*innen:
Freundschaftsverein der Landlosenbewegung MST in Deutschland, treemedia e.V, FDCL e.V.
In Kooperation mit:
Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt (ASW), Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), FIAN Deutschland e.V., Freund*innen des 17. April,
INKOTA-netzwerk e.V.

Im Rahmen der Rundreise: Brasilien vor der Wahl – Kampf ums Land.

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